Berichte und Geschichten


Max - ein Hadicap-Katerchen im Glück
geschrieben von Christel Baumgärtel

Der „blondrote“ Türke Max wurde von uns als Flugpate am 25.9.2005 nach Stuttgart überführt:

 

Wir hatten ihn bereits ein paar Tage vorher im Tierheim von Marion und Sülle gesehen und haben anfangs genauso entsetzt reagiert, wie alle Leute, die ihn das erste Mal sehen.

Vom Kopf bis zum Rücken sieht er aus, wie ein ganz normaler junger Kater.

Sein Handicap sind die Hinterbeine. Er legt seinen Hintern quer und schleift diese dann einfach hinter sich her. Als wir ihm dann vor lauter Mitleid auf das Sofa von Marion helfen wollten hielt diese uns zurück und meinte, das kann der Max ganz alleine! Und wie der das konnte!!!!

Ziel anvisiert - ein Satz - eingekrallt mit den Vorderpfoten und schwuppdiwupp landete er auf dem Sofa und forderte auch gleich seine Schmuseeinheiten ein. Binnen weniger Minuten hatte er sich in unser Herz eingeschleimt, aber Marion hat uns gleich gesagt, dass er reserviert ist und in den Raum Göppingen kommt. Als wir dann später mit den Hunden spazieren gingen, robbte er uns sofort hinterher und wollte einfach mitgenommen werden.

Faszinierend an dem Kerle war (und ist auch noch), mit welcher Schnelligkeit er unterwegs ist!  Wenn ihn was erschreckt, oder er merkt, dass sich in der Küche etwas tut, dann kann er den Turbo einschalten und kommt wie der Roadrunner angeflitzt.

Trotz seiner Behinderung ist  Max ein lebensfrohes, anhängliches Tier und wenn wir am Anfang gedacht haben, es wäre besser gewesen ihn sofort, als er zu Marion kam einschläfern zu lassen, hatten wir nach dem Besuch im Tierheim eine ganz andere Meinung.

Dann kam der Tag der Abreise. Gleich nachdem unser Transferbus  den Flughafen erreicht hatte kam Sülle mit seinem Bus angefahren und überreichte uns den Max und alle notwendigen Papiere. Da er noch einen Hund abliefern musste, konnte er uns leider nicht mit zum Schalter begleiten, aber es klappte alles auch ohne besondere Hilfe.

Beim Durchleuchten mussten wir den Max aus der Kiste nehmen und jetzt war ich schon froh, dass er nicht ganz so beweglich, wie eine normale Katze war. Nicht aus zu denken, wenn er mir vom Arm gehüpft wäre. So aber war alles kein Problem.

Die ganzen Formalien musste man nun direkt an der Kofferabgabe erledigen. Ein kurzer Anruf und dann kam jemand, der die Papiere kontrollierte und dort zahlten wir dann auch die 30 € Fluggebühren für den Max.

Wenn möglich wollten sie uns für den Käfig einen Platz freihalten, aber das hat leider nicht funktioniert, weil das Flugzeug voll war.

In der Flughafenwartehalle war der Max natürlich eine Attraktion! Nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene wollten wissen, was sich in der rosaroten Kiste verbirgt.

Erst als wir eingequetscht in den Sitzen, den Max unten am Boden zu  unseren Füssen im Flieger saßen und der Mann neben meinem Rainer ganz interessiert sich nach dem Maxele erkundigte, kam es mir siedend heiß : „Oh je, was werden die Leute wohl sagen, wenn der Max vor allem mal „groß“ muss und es auch tut??? Wir saßen ja sooo eng aufeinander!!! Ob unsere Mitflieger dann immer noch so wohlwollend gewesen wären???

Weiß nicht, was Marion dem Max gegeben hat (oder nicht gegeben hat!!!)à außer einem kurzen Jammern beim Start und bei der Landung (hätten ihm wohl Kaugummi geben sollen, hihi) machte der Kater keinen Piep. Er hat fest durchgeschlafen und erst bei der Übergabe an seine neuen Besitzer wachte er langsam auf.

Also die Übergabe am Flughafen klappte auch Bestens und wir haben mit Angelika und Helmut, den neuen Besitzern, vereinbart in Verbindung zu bleiben.

Ein paar Tage später kristallisierte sich nun heraus, dass durch den Einzug von Max deren Katze Sissi nicht mehr nach Hause wollte. Nachdem ihnen ihr Tierarzt auch noch mitgeteilt hatte, dass Max wohl immer behindert bleiben wird, deshalb kaum vermittelt werden kann und am Besten eingeschläfert werden sollte, waren sie furchtbar verzweifelt. 

Eines war mir sofort klar: wir holen doch kein Tier aus der Türkei um es in Deutschland einschläfern zu lassen, das wäre ja wirklich eine Farce gewesen!!! Also gab es nix anderes - nach Rücksprache mit meinem Rainer, der es im Prinzip mir überließ, weil die Arbeit ja doch meist an mir  hängen bleibt, haben wir Max in Pflege genommen und seitdem schon kaum mehr eine ruhige Minute.

Wollte ja schon lange wieder abnehmen und mit Max nehme ich wenigstens nicht mehr zu!!

Max hat alles im Griff!!!!!

 

Unser Tierarzt hat nun bestätigt, dass man wohl operativ kaum eine Verbesserung herbei führen kann und wir eben den Max immer wieder animieren müssen, auch seine Hinterläufe zu benutzen. 

Unser Hauptproblem ist auch unsere 20-jährige blinde Sheila.

Der Max hat ganz schnell gemerkt, dass die alte Dame ihn nicht sehen kann und er probiert es immer wieder sich an sie heran zu pirschen und an- zu- Tatzen.

Sie  erschreckt, faucht und.......ist natürlich gar nicht begeistert davon, einen für sie unsichtbaren Stinker, immer angriffsbereit in ihrer Nähe zu haben. In der Zwischenzeit gehört Max eben die linke Seite vom Sofa und der Sheila die rechte Seite, aber Max probiert eben doch immer, seine Geruchsspuren auf Sheila`s Decke zu lassen.  

Langsam kapiert er auch, dass sie nicht mit ihm spielen will und kann - na ja, aber er ist eben jung und probiert es immer wieder und kommt ihr langsam immer näher.

Max ist von Anfang an stubenrein gewesen, aber wenn er in die Kiste geht, steht einer von uns mit dem Schäufele und der Plastiktüte Gewehr bei Fuß und überwacht den an für sich natürlichen Vorgang.

Leider hat Max durch diese Verletzung an den Hüften auch Probleme mit dem Darm und meistens Durchfall. An einer Verstopfung könnte er sogar sterben, deshalb nehmen wir das mit dem Dünnpfiff in Kauf.

Dann müssen wieder Maxens ureigenste Personaltrainer (sind wir) wieder ran und in einem kleinen Eimer mit warmem Wasser bekommt er gleich eine kleine Unterwassermassage mit anschließendem Trocken- Peeling!

Und wie das so oft ist im Leben: danken tut er uns das manchmal mit blutigen Spuren auf unseren Armen.

Aber wir wachsen mit der Aufgabe und wenn der kleine Türke sich dann nachts müde in unsere Arme schnuckelt und schnurrt wie ein großer Tiger, ist alle Mühe vergessen.

Einem geht es bis jetzt auf jeden Fall gut und das ist Max und wir sind nach der Einsteinbande nicht auf den Hund gekommen sondern auf  Max und wir hoffen, alles wird gut!!!!!

 

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